Über mich

An der Staffelei

Meine größte Lehrerin ist die Natur selbst. Sie ist frei von Manierismen und ein strenger Meister: Man konzentriert sich auf das, was man wahrnimmt, gefiltert durch das eigene Auge, den eigenen Geist, die eigene Seele, und ohne künstliches Bemühen entwickelt sich daraus die eigene Handschrift.

Der zweite Lehrer war das Studium der Kunstgeschichte und Archäologie in Dijon und Bonn: die Versenkung in die großen Werke der Geschichte und die Frage, mit welchen Mitteln es ihren Meistern gelungen ist, sie zu schaffen. In der Gipsabgußsammlung des Akademischen Kunstmuseums in Bonn standen die antiken Skulpturen auf drehbaren Böcken und wurden von allen Seiten betrachtet und besprochen; besonders die archaischen Statuen haben mich geprägt, und diese räumliche Art des Sehens ist mir geblieben.

Meine Lehrer

Und schließlich mein Lehrer Peter Schermuly, der mich als dreizehnjähriges Mädchen malte und mir dabei schon erklärte, warum er es so machte, wie er es tat. In seinem Münchner Atelier durfte ich viele Jahre als Meisterschülerin arbeiten, bis wir die fertigen Bilder zuletzt als Kollegen besprachen. Er hatte als junger Mann abstrakt zu malen begonnen und sich über die Jahrzehnte der gegenständlichen Malerei genähert, betonte aber stets, daß seine Werke ohne die Abstraktion nicht denkbar seien. Dasselbe denke ich über meine Bilder.

Ich versuche, die Dinge von innen nach außen zu malen, eher wie ein Bildhauer: nicht erst die äußeren Linien zeichnen und sie mit Farbe füllen, sondern Farbe und Licht den Gegenstand formen lassen, Schicht um Schicht. Meine Bilder sollen nicht altmeisterlich sein. Oft wirken sie aus der Ferne realistischer als aus der Nähe, wo sichtbar wird, wieviel nur angedeutet ist und erst vom Auge des Betrachters ergänzt wird.

Heute lebe und arbeite ich in Bonn-Bad Godesberg, nahe am Rhein. Jeden Morgen führt mich ein Spaziergang ans Ufer, mit Blick nach Süden auf das Siebengebirge mit Drachenfels und Drachenburg; der weite Himmel über dem breiten Fluß sieht jeden Tag anders aus. Diese Nähe zur Natur und das ruhige Nordlicht meines Ateliers prägen meine Arbeit mehr als alles andere.